Dienstag, 8. Mai 2018

Abschied - auf Zeit

"Eine ungewisse Zukunft rollt auf uns zu"

Hallo, meine Lieben,

wie ihr gemerkt habt, dümpelt der Grenzverkehr aktuell etwas vor sich hin (oder auch schon länger, genauer gesagt). Jetzt fällt die Entscheidung darüber, einen endgültigen Schlussstrich unter meine Journalistenkarriere zu ziehen und die Homepage in eine Autorenseite umzuzwandeln, zusammen mit den Ansprüchen der neuen Datenschutzverordnung, die allenthalben für Panik sorgt. Deshalb habe ich beschlossen, diesen Blog zunächst auf Eis zu legen. Das ist keine Panikreaktion, aber es gibt einfach zu viel anderes, was aktuell meiner Aufmerksamkeit bedarf. Dann möchte ich mit meinem Webdesigner ein vernünftiges neues Konzept entwerfen, denn eine Autorenhomepage ist eine sehr viel persönlichere Angelegenheit als eine Journalistenhomepage. Das wird aber sicher noch einige Zeit dauern.

Gute Nachrichten für alle, die ohne meine kleinen Anekdoten nicht mehr leben können: Wenn der Relaunch meiner künftigen Autorenseite abgeschlossen ist, werde ich dort einen Blog integrieren (und eventuell auch einige Beiträge hier hinüberretten) und auch weiterhin über alles mögliche schreiben, nicht nur das Schreiben.

Ich danke allen regelmäßigen Lesern und freue mich darauf, euch künftig an neuer Stelle (www.weil-andrea.de) wiederzufinden.

Viele Grüße!
Andrea

Warten auf die Erleuchtung!

Mittwoch, 4. April 2018

Von Lust und Leid eines Herzensprojekts

Erste Wolfsbegegnung im Alter von 14 in der Trummler-Station
Mein wahrer Erstling, "Menschenwolf", ist vermittelt. Die lange Geschichte dieses Manuskripts kurzweilig zusammengefasst hab ich hier: http://literra.info/kolumnen/kolumne.php?id=1595

Freitag, 23. März 2018

Kleine musikalische Reise in meinen Kopf

Wer mir auf Facebook folgt, hat im Januar dieses Bild vielleicht ein wenig zu oft gesehen, fast jeden Tag, um genau zu sein. Eine Challange, die ich mir ausnahmsweise selbst ausgesucht hatte, obwohl ich diese meist kettenbriefartig zu verbreitenden Dinger nicht leiden kann. Aber ich liebe Musik und es war interessant, darüber nachzudenken, wie die Vorgaben für jeden einzelnen Tag wohl zu interpretieren sind und welche Assoziationen und Erinnerungen sie in mir auslösen. Herausgekommen ist ein schöner Querschnitt durch meine alten und neuen Playlists. Deshalb mag ich das noch einmal am Stück sammeln. Und höre die nächten paar Stunden wahrscheinlich die ganze Liste durch. Vielleicht macht euch das auch Spaß, so als Einstieg ins Wochenende.

1) Wer nach Silvester von feuchtfröhlich noch nicht genug hat, was Deftiges vom Fun Folk fon Früher:
Duivelspack - Im schwarzen Walfisch. https://youtube.com/watch?v=O85NLCvkfjE

2) Jemand, den mir meine Schreibnacht-#Chatadias vorgestellt haben:
AnnenMayKantereit - 21, 22, 23 https://youtube.com/watch?v=35XR9H8bGqQ


3) Das ist zwar fast beschämend naheliegend, aber ich liebe die lautmalerische Geschichte zu Beginn dieser Version. Das Richtige an einem Wintersturmtag:
Flying Pickets - Summertime
https://youtube.com/watch?v=Fc3EcSiE2lo


4) Heute also etwas, das in mir immer noch Unwohlsein auslöst, wofür der Künstler nichts kann. Das Lied erinnert mich nicht nur an Menschen, die ich vergessen will (Mehrzahl), sondern eine ganze Zeitspanne und Situationen. Zum großen Teil bin ich drüber weg, aber das Lied macht es wieder greifbar. *schüttelt sich* Und es ist ein Scheiß-Ohrwum.
Captain Jack - Captain Jack
https://youtube.com/watch?v=OFdgK2GbHmo


5) Das passt auch zu 7, aber noch lauter schreit es: "Aufdrehen!"
Wise Guys - Radio
https://youtube.com/watch?v=cUskMtPQ5_k
P.S. übrigens auch gut, um gegen dauerhaft in Plattenbau bohrende Nachbarn anzuschallen 


6) Omnia - Alive
https://youtube.com/watch?v=i6A5hEQrRwY
Selbsterklärend.


7) Erst, als ich es für die Challenge suche, stelle ich fest, dass das Video eine ganz andere, noch viel dramatischere Geschichte erzählt als der Text. Aber beide haben mit Fahren zu tun.
Boy - Drive Darling
https://youtube.com/watch?v=FUg7PSuC3ZU


8) Guns N' Roses - Mr. Brownstone
Bemerkenswert schon allein, weil Axl hier in einer Stimmlage singt, die man nicht oft von ihm hört. Ansonsten war die Auswahl zu DIESEM Thema gerade auf der "Appetite for distruction" immens.
https://youtube.com/watch?v=lBwua-h6_VY


9) Das ist so ein Fall von exakt einem einzigen Lied, das ich von einem Künstler mag, aber dafür richtig. Habe es 2008 live auf einem Konzert mit vielen verschiedenen Musikern gehört, als ich und eine Kommilitonin in Stuttgart Karten geschenkt bekamen. Was für eine Party! Und, was ich da noch nicht wusste: Kurz vorher hatte ich ein Pärchen getroffen, mit dem ich später richtig gut befreundet sein und das mir mehrere neue und richtungsweisende Hobbys bescheren würde. Die Betroffenen wissen, wer gemeint ist. 💚
Sasha - Lucky Day
https://youtube.com/watch?v=AtraewMq14k


10) Das Lied war schon immer bittersüß: Abschied von Mittelerde, Leben nach dem Tod. Aber seit 2015 auf meiner allerersten FilkContinental eine wundervolle Frau dieses Lied für ihren krebskranken (und mittlerweile verstorbenen) Mann gesungen hat, kann ich das nur noch in ganz kleinen Dosen ertragen, so schön das Lied auch ist:
Annie Lennox - Into the West
https://youtube.com/watch?v=JgcoBKWTW14


11) Nie müde werde ich der Schattenweber, die im Februar ihr zehnjähriges Bandjubiläum feiern. Und danke für den schönen Spontan-Mini-Circle auf der jüngsten FilkContinental!
Schattenweber - Der Geistergarten
(Geschrieben und komponiert von der fantastischen Maja Ilisch)
https://youtube.com/watch?v=xpYOCnBfsoE
 
 


12) Ich musste erstmal nachschauen, was unter "preteen" verstanden wird. Dann war die Wahl sehr leicht:
Roxette - Joyride
https://www.youtube.com/watch?v=xCorJG9mubk


13) Die Liste ist lang, aber ich hab mich entschieden:
Gloria Gaynor - I will Survive
https://youtube.com/watch?v=gYkACVDFmeg


14) Während ich hier gerade mit meinem Liebsten Tee trinke:
The Monkees - I'm a believer
https://youtube.com/watch?v=wB9YIsKIEbA


15) Der Link ist unerklärlicherweise von Facebook verschwunden, aber nach den Kommentaren darunter konnte ich es rekonstruieren: Ein Cover von einem Künstler, den ich auf inellektueller Ebene bewundere und von dem ich sonst nichts höre, weil es überhaupt nicht mein Stil ist. Aber dieses Lied ist großartig und obendrein ein Charakterlied für Ravic aus meinem Roman No Pflock:
Marilyn Manson - Sweet Dreams
https://www.youtube.com/watch?v=BHRyMcH6WMM

16) Wieder so ein Ding: definiere klassischer Favorit. Ein Favorit aus der klassischen Musik? Ein Favorit, der so klassisch ist, dass er nie uncool sein wird? Ich kombiniere einfach alles mit:
Queen - Bohemian Rhapsody
https://www.youtube.com/watch?v=fJ9rUzIMcZQ


Zu 17) nicht romantisch, aber um Liebe geht es trotzdem. Aber dafür müsste meine Stimme sehr fit sein und nicht so erkältungsrau wie aktuell.  
Queen und David Bowie - Under Pressure
 https://youtube.com/watch?v=YoDh_gHDvkk     

Zu 18) Freundliche Art, nach dem Alter zu fragen?
Survivor - Eye of the tiger
https://youtube.com/watch?v=btPJPFnesV4 

19) Passend zu meinem Geburtstag sollte ich über das Leben nachdenken. Irgendwie denkt man doch bei jedem Lied über irgendeinen Aspekt des Lebens nach, oder? Oder fühlt ihn. Hab eine ganze Liste, was hier in Frage käme, ernst und heiter, sarkastisch ... aber heute ist mir in guter Laune nach einer positiven Botschaft: Habt euch selbst lieb!
Amanda Palmer - In my mind
https://youtube.com/watch?v=Q9WZtxRWieM
toll. 


20) Verschiedene Bedeutungen ...
Skillet - Never Surrender
https://youtube.com/watch?v=qkSPe7mvELo
Zwei sind: Dauerschleife vor meiner Bandscheiben-OP und ein Charakterlied für eine meiner liebsten Figuren aus meinen eigenen Geschichten (unveröffentlichten)


21) El Tango de Roxanne aus Moulin Rouge
Eine fantastische Uminterpretation des Police-Songs
https://youtube.com/watch?v=Rn0xXo1gwGY
 


22) Wieder was zum Grübeln. Musik kann einen in vielerlei Hinsicht "voranbringen". Hab mich jetzt für das Lied entschieden, das ich bei meiner allerersten FilkContinental im allerersten Circle spontan sang, als Gary mich zwingen wollte, mein Lampenfieber zu überwinden. Fast blieb mir die Stimme weg - bis der ganze Raum mitsang. Ich liebe euch
The Bard's Song - in der Version von Van Canto
https://youtube.com/watch?v=sBxCl2TJNnQ
 


23) Über das Motto dieses Tages hab ich mit meinem Freund diskutiert, denn der meinte, "jeder sollte es hören" kann man auch interpretieren als "es gibt jedem was". Egal wo, jenseits jeder Sprachbarriere. Deshalb schlug er die Ode an die Freude vor. Tolle Idee, eigentlich.
Aber es ist meine persönliche Liste und auch wenn es sich mit dieser Wahl wieder nur auf Deutschsprachige beschränkt: Dieses Lied finde ich heute so aktuell wie vor 22 Jahren und es zeigt, dass Reinhard Mey viel mehr ist als "Über den Wolken".
Reinhard Mey - Sei wachsam
https://youtube.com/watch?v=CdBo34ycvkw


24) Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:
Queen - These are the days of our lives
Ja, ich weiß, Queen gibt es noch, aber sie wissen selbst, dass sie Freddie Mercury nie ersetzen können. Dies sind die letzten Dreharbeiten mit ihm (deshalb auch das Hinter-den-Kulissen-Video hier). Sie mussten oft unterbrochen werden, weil der von seiner Krankheit gezeichnete Sänger zu schwach war, um lange zu stehen. Dieses geflüsterte "I still love you" am Ende, das Lachen, der Blick - das war nicht geplant, sondern ein spontaner und ehrlicher Abschied an die Fans, der mir jedes Mal wieder fast die Tränen in die Augen treibt. Was hätte ich drum gegeben, die mal live zu sehen!
https://www.youtube.com/watch?v=L3RJLOyGVf0
 
 


25) Es gibt so viele großartige Künstler, die nicht mehr da sind, und oft sterben sie zu früh. In diesem Fall sowohl der Sänger der ursprünglichen wie auch der der von mir so geliebten Coverversion.
Nirvana - The man who sold the World
https://youtube.com/watch?v=fregObNcHC8


26)  An dem Tag hatte ich ein Problem. Ich habe keinen Link. Zwar besitze ich eine selbstgemachte Aufnahme von der FilkContinental mit diesem Lied, aber ich habe nicht das Recht, sie zu teilen.
Gwen Knighton Raftery - Love is well
Meine Lieblingszeile aus dem Text:
"I gave my hurt to the music in the sky. I spread my arms, let the sorrow sweap my senses... love is a well that does not run dry."
Und es ist so süß, wie sie das Lied immer mit "I'm sorry, guys" ankündigt, bevor sie uns alle zum Weinen bringt. 



27) Reinhard Mey - Der kleine Wiesel
https://youtube.com/watch?v=qMPMJfFzKSw
Ohne Worte


28) Natürlich war bei "Stimme, die ich liebe" mein erster Impuls, wieder den unvergleichlichen Freddie zu nehmen. Aber der hat schon genug Slots gefüllt bei dieser Challenge. Deshalb:
Nina Simone - Feeling good
https://youtube.com/watch?v=D5Y11hwjMNs


29) Frederik Vahles Tamaro, Rolf Zukowskys Vogelhochzeit, die "Ferien, Ferien"-Kassette, Zum Mars und zurück, Professor Tick-Tacks Zeitreise ... Wir hatten viele tolle und intelligente Kinderlieder. Das, was ich aber am meisten gehört habe und auch noch heute hören kann, ist Tabaluga von Peter Maffay. Und wie immer ist Teil 1 der beste.
Tabaluga - Der Baum des Lebens
https://youtube.com/watch?v=gggp0rlUL6Q


30) Der letzte Tag, liebe Musikfreunde!
Eigentlich ist das Lied von Silk&Lute, aber ich verlinke hier die Version von Janko vom See, in der ich es kennenlernte, die ich live gehört habe und in der es mir besser gefällt. Sie war auch das Vorbild für meinen Auftritt auf meiner ersten FilkContinental, vor dem ich einem fremden Mann im Publikum meine Kamera zur Aufnahme in die Hand drückte mit dem Gedanken: Der ist groß und sitzt in der Mitte. Tja, und der ...
Janko vom See - Die Wolfsblume
https://youtube.com/watch?v=ov0OJVfQ9kM
 

Mittwoch, 21. März 2018

#Apokaleipzig - Überraschende Begegnungen und Blutkonserven

Am Samstagvormittag war es schön ruhig auf dem Messegelände - zu ruhig
Ich hab mich in diesem Jahr bislang rar gemacht mit meinem Grenzverkehr. Dabei gäbe es einiges zu erzählen über meine Krimi-Recherchereise, mein abgeschlossenes Katzen-Manuskript und die Vermittlung meines Herzensprojekts. Mein Autorenstandbein ist ganz schön zapplig. Doch erstmal blicke ich zurück auf ein kürzliches Ereignis, das vielen als die #Apokaleipzig in Erinnerung bleiben wird: die Leipziger Buchmesse 2018.

Mein großer Vorteil: ein Geliebter, der in Leipzig wohnt. Connewitz ist zwar so weit weg vom Messegelände, dass ich mit der Straßenbahn 50 Minuten dorthin zockeln musste. Aber dafür erlaubt mir die Verbindung, noch vor dem Hauptbahnhof in die Tram 16 zu steigen und einen Sitzplatz zu haben, wenn der große Pulk die Bahn stürmt. Einmal stand direkt an meine Beine gepresst eine süße kleine Oma. Ich wäre so gern aufgestanden, um ihr den Sitz anzubieten, aber niemand konnte sich genug bewegen, um diesen Wechsel möglich zu machen. Auf meine Entschuldigung hin grinste sie einfach nur und sagte: "Ich stehe hier, ich kann nicht anders." (Selbst so kurz nach dem Lutherjahr hat übrigens der Großteil meiner ostdeutschen Freunde diesen Witz nicht verstanden, als ich ihn erzählte.) Selbst an jenem unseligen Samstagmorgen, an dem der ganze Leipziger Hauptbahnhof gesperrt wurde und anreisende Messebesucher sieben Stunden in liegengebliebenen Zügen strandeten (Geschichte aus erster Hand erzählt von einer Literaturagentin, die am Sonntag zwangsweise mit mir in der Straßenbahn kuschelte), kam ich auf diese Weise pünktlich um 9 Uhr am Messegelände an, um mich als Fachbesucher anzumelden.

Freitagnachmittag ging es los - wie der Wetterbericht sagte

Samstagmorgen kam die Straßenbahn trotz Schneeverwehungen besser durch als die S-Bahn. Auch wenn der "Fahrplan ausgesetzt" war

Denn in diesem Jahr war ich wie die Jungfrau zum Kinde zu gleich zwei Vorträgen gekommen: zweimal hintereinander "Kopfkino für Fortgeschrittene" mit meiner lieben Kooperationspartnerin, der Textehexe, im Rahmen der Leipziger Autorenrunde, danach in Halle 5 über den Pitch als wichtiges Werbemittel, mit Hans Peter Roentgen, einem absoluten Experten und Verfasser allgemein anerkannter Grundlagenwerke auf dem Gebiet. Zwei große Namen in der Branche - und ich als relativer Neuling. Ziemlich aufregend, um es milde auszudrücken.
Offizielle Referentin
Auch die Autorenrunde war von der Apokaleipzig gebeutelt, die Eröffnung begann zu spät ("Die S-Bahn fährt nicht und meine Autotür ist eingefroren", wie Ehrengast Poppy Anderson ihr morgendliches Erlebnis schilderte) und manche Dozenten kämpften sich den ganzen Tag durch Eis und Schnee, ohne je anzukommen. Als Susanne und ich zwanzig Minuten vor unserem Slot im Saal auftauchten, saßen schon so viele Autoren an unserem Tisch 13, dass die Dozentinnen sich Extra-Stühle heranrücken mussten. Direkt neben mir bemerkte ich ein bekanntes Gesicht. Ein sehr bekanntes, aber woher? Wir starrten uns eine Weile an, bis der Groschen fiel: Jana war meine Drittsemester-Patin gewesen, als ich als Erstsemesterin an die Eichstätter Uni kam, und hatte mir den Einstieg in das Journalistik-Studium erklärt. 16 Jahre später sind wir beide in der Buchbranche und sie eine erfolgreiche Selfpublisherin von dramatischen Romanzen. Und als sie mir am nächsten Tag beim Wiedersehen bescheinigte, dass unser Vortrag ihr am meisten mitgegeben habe, war ich sehr stolz.
Bei der zweiten Runde bildete sich ein kompletter zweiter Stuhlkreis hinter dem ersten um unseren Tisch und strikteres Zeitmanagement unsererseits machte es möglich, dass wir im Anschluss noch individuelle Fragen beantworten konnten zum Thema Show don't tell (und wo es NICHT angebracht ist), Szenenaufbau und wie sie mit Figurenentwicklung zusammenhängt. Auf diesem verlinkten Foto bin ich sogar im Hintergrund zu sehen, am Rande des ersten Viertels von links, mit dem Rücken zum Gang (und leider auch zur Kamera), ganz in Rot und mit Filz-Blume im Haar.

Danach hatte ich nur eine knappe Stunde, um mein Gehirn zu entspannen und dann wieder für den Pitch-Vortrag hochzufahren. Einer meiner ersten Lektoratskunden überhaupt (und der einzige bislang, der mich im Rahmen meiner Arbeit zum Weinen brachte, und zwar NICHT etwa wegen Fehlern), Harald Schmidt alias H.C. Scherf, hat das dankenswerterweise fotografisch festgehalten. Und es gibt sogar einen archivierten Live-Stream, bei dem ich am Anfang sehr aufgeregt klinge. Aber dank Hans Peters Erfahrung und lieber Gesichter im Publikum ließ das schnell nach.

Meiner Freundin Joan Darque ist es zuerst aufgefallen: "Rumänien, Land der Vampire - ob die deshalb diese Pfähle aufgestellt haben?"

Die Schweizer wollten sich unbedingt beliebt machen
Es war allgemein meine Buchmesse der Begegnungen. Am Freitag war ich eine Weile mit Nils Krebber unterwegs, dessen Buch "Keine Helden" ich im Lektorat hatte. Wir tranken Kaffee bei den Österreichern (natürlich!) und verglichen unsere größten (und beängstigendsten) Promi-Momente. Sehr hat mich auch die Gelegenheit gefreut, mal richtig ausführlich mit meinen Agenturkolleginnen zu plaudern (und von Mit-Vampir-Autorin Annika Dick ein Leckerchen abzustauben, mehr dazu später). 
Annika Dick, ich, Claudia Romes und Gabriele Ketterl
Vieles ergab sich rund um den Stand des Amrûn-Verlages. Als echter Bayer freute sich Verleger Jürgen Eglseer diebisch über mein #Gnackzuuzler -T-Shirt. Und zufällig stand ich gleich hinter ihm und Michael Marrak, als letzterer den Seraph-Preis für das beste Buch verliehen bekam. Reaktion des Autors nach der Verkündung seines Namens: "Joooooooh..." Jürgen musste ihn regelrecht in Richtung Bühne schubsen. 

Wovon ich übrigens gar nichts mitgekriegt habe, sind die Tumulte rund um die rechten Verlage. Für Vorträge oder Lesungen blieb leider wenig Zeit, aber zu Tobias Winstels "Nebenbei Autor Sein? Tipps zum Zeitmanagement beim Schreiben" habe ich es geschafft.

1. Anfangen, wenn der erste Impuls da ist
2. Technik und Techniken nutzen: Immer Notizbuch o.ä. dabei haben, sich selbst ein Exposé als Hausaufgabe aufgeben, um sich zu fokussieren, lesen, lesen, lesen. "Und Kaffee ist auch eine wichtige Technik."
3. Sich selbst eine Deadline setzen. Manuskripte beenden.
4. Gezielten Leuten aus dem Freundeskreis verraten, dass man schreibt, damit sie nachfragen. Aus der Hand geben."Das darf ruhig ein bisschen Angst machen. Wenn es nicht nervös macht, hat der Text nicht viel mit einem zu tun."
5. An die denken, die es geschafft haben

Die Tipps waren gut, der Vortrag kurzweilig, aber eigentlich beherzige ich das meiste schon - außer, wenn ich es nicht tue, und dann kann mir keiner helfen. Die ersten Impulse, auch Plotbunnies genannt, muss ich ja öfter bekämpfen, wenn sie zum falschen Projekt kommen und sich wild vermehren. Übrigens gab es ausgerechnet dazu die perfekt passende Deko im Leipziger Bahnhof!

Jetzt haben die blutrünstigen Viecher, die durch meinen Kopf hoppeln, endlich ein Gesicht!
Der Sonntag war mein "freier Tag", an dem ich später kam und früher ging und einfach mal durch die Manga-Halle schlenderte. Die alljährlich hochgekochte Diskussion, ob Cosplay zu der Buchmesse gehört oder nicht, geht mir auf die Nerven. So bierernst muss sich der Literaturbetrieb nun wirklich nicht nehmen, wenn er gleichzeitig darüber jammert, dass die jungen Leute immer weniger lesen. Ich finde die Kostüme herrlich. 
Noch mehr (Plot?) Bunnies

Beste Security EVER

Na, ihr Romantiker? Einen anatomisch korrekten Herzanhänger gefällig?


Wunderschön elegant. Und das auf diesen Schuhen!
Selbst am Freitagabend in Noel's Ballroom (einem sehr stimmungsvollen Irish Pub, der seine Decke mit Whiskyverpackungen gepflastert hat und im Roman meiner Freundin Tali eine große Rolle spielt) lief ich auf dem Weg zum Klo einem Ork über den Weg. Als ich fragte, ob ich ein Foto machen dürfte, bejahte aus dem düsteren Gesicht eine überraschend helle Frauenstimme. Meine Freundin Kia, als sie das Bild sah: "Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, würde ich jetzt darüber nachdenken. Ein Hoch auf die Ehe für alle!"
Insgesamt habe ich die Apokaleipzig mehr als gut überstanden und bin in seliger Unwissenheit an allen Schwierigkeiten vorbeigeschlittert. So freue ich mich einfach aufs nächste Jahr. Und stoße noch einmal an mit einer leckeren Blutkonserve (danke, Annika!).

Dienstag, 12. Dezember 2017

Pfeif auf Grenzen! Von Religion bis Buchgenres

In der vergangenen Woche war ich bei einer syrischen Familie zum Tee eingeladen. Sie kommen aus einem kleinen Ort mit 1500 Einwohnern. Nur hundert davon sind Christen, aber die ganze Dorfgemeinschaft feiert zusammen Weihnachten, einfach als Gelegenheit, friedlich zusammenzukommen und Freundschaften zu schließen. Das finde ich wunderbar. Denn unabhängig von Religion ist das ja die Botschaft von Weihnachten. "Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid, das allen Herzen Liebe bringt - denn es ist Weihnachtszeit", lautet der letzte Refrain des Liedes, mit dem mein Chor jedes seiner Adventskonzerte beendet. Dazu kann eigentlich jeder Amen sagen.

Das Gespräch war übrigens Teil der Vorbereitungen für ein Fotoprojekt mit dem Mehrgenerationenhaus. "Flüchtling? Mensch!" wird voraussichtlich im Februar zu sehen sein, dann berichte ich noch mehr darüber. Mir verschafft es jedenfalls einige herzliche Begegnungen.

Das Foto ist das einzige von Straßenkater "Tom", das ich besitze. Er hat mir, als ich klein war, viel über Katzen und allgemein Respekt vor Tieren beigebracht und ist meine Inspiration für die Geschichte.

Eigentlich wollte ich über andere Grenzen schreiben. Genregrenzen, um genau zu sein. Gestern Abend habe ich gerade mein aktuelles Romanprojekt beendet (zumindest die erste Fassung, die jetzt von meinen Testlesern und später vom Lektorat zerpflückt wird). Nächstes Jahr erscheint "Neun Leben" als E-Book in der "Vier Pfoten"-Reihe des Arunya-Verlags. So haben statt Marilyn Manson und Ozzy Osbourne gestern Cats und der Wildcat-Blues meine "Juchhu, ich bin fertig!"-Party dominiert. Es sterben auch erheblich weniger Leute als in meinem Erstling, ob nun zwei- oder vierbeinig. Für alle, die nach "No Pflock" nach einer Fortsetzung insbesondere über Ravics Hintergrund gefragt haben, könnte das eine Überraschung, vielleicht sogar eine Enttäuschung sein. Selbst mein Erzählstil ist anders, wenn ich das Leben im Jahreskreislauf einer Straße aus der Sicht einer Katze beschreibe.

Dabei haben viele, die mich nicht zu persönlich kennen und nicht wissen, welches Genre mein Bücherregal dominiert (nach der jüngsten Zählung rund 170 Bücher zu 53 im zweitgrößten Genre, "Klassiker"), einen Schock erlebt, als ich nach zwei Sachbüchern und unzähligen Zeitungsartikeln einen Fantasy-Roman rausgehauen habe. Sogar an meinem klaren Verstand haben ein paar gezweifelt. Ob ich nicht unter einem Pseudonym schreiben wolle, haben mir Freunde vorgeschlagen, denen ich diese Anekdoten erzählt habe. Aber ganz ehrlich? Das hört sich für mich fast so an, als müsste ich mich schämen. Den seriösen Journalisten und Lektor trennen von dem zwielichtigen Autor. Sollte ich jemals anfangen, Pornos zu schreiben, denke ich da vielleicht nochmal drüber nach. Ansonsten ist das nur ein anderer Aspekt von meiner Persönlichkeit, mit dem ich mich voll identifiziere, und auch meinen Namen.

Ein Argument, das sich nicht leicht beiseiteschieben lässt in der Pseudonym-Diskussion (abgesehen von der Gefahr, bei bestimmten kontroversen Themen angefeindet zu werden), ist die Frage von Erwartungshaltung von Lesern und dem Aufbau einer Fangemeinde. Die Rückmeldungen für "No Pflock" sind vielversprechend und es ist ja nicht etwa so, dass ich ein Exposé für die komplette (und blutige) Vorgeschichte meines mysteriösen ältesten Vampirs auf der Festplatte hätte (sagte sie und pfiff so unschuldig, dass sie sogar ihre Abneigung gegen Adverbien ignorierte). J.K. Rowling hat wahrscheinlich gut daran getan, ihre Krimi-Reihe unter Pseudonym zu veröffentlichen, wenn auch die Enthüllung desselben den Verkaufszahlen kaum geschadet haben dürften.

Aber ich habe nicht Harry Potter geschrieben und werde nicht von der ganzen Welt mit einer einzigen Franchise in Verbindung gebracht. Für Selfpublisher ist es wahrscheinlich wichtiger, sich in einem Genre zu etablieren und erst einmal dort eine Fanbase aufzubauen. Da ich jedoch den Weg des Verlagsautors gewählt habe (vor allem aus zeitlichen, finanziellen und nervlichen Gründen), ist es genau umgedreht: Meine großartige Agentin fordert mich auf, mich nicht in meinem "Wohlfühlgenre" blutiger Vampirromane häuslich einzurichten, sondern meine Fühler in viele Richtungen auszustrecken. Gerade am Anfang. Alle Autoren, die ich im Sommer auf der World Con über die Herausforderungen des Genre-Hoppings diskutieren hörte, waren Verlagsautoren. Aber das Argument, dass der Leser intelligent genug ist und es auch mal aushält, wenn sein Lieblingsautor sich in einem anderen Bereich ausprobiert, hat mir gefallen. Statt ein einzelnes Genre zu vermarken, vermarkteten sich diese erfolgreichen Schreiberlinge als Person mit ihrem individuellen Stil, unabhängig vom Thema. So bringen sie Fans vielleicht sogar dazu, neue Genres auszuprobieren.

Ich habe einst Journalistik studiert, weil ich mich nicht für ein einziges Fach entscheiden konnte. Mich interessierte zu vieles. Und auch wenn ich meine Vampire immer noch am liebsten habe (ist ja nicht so, dass ich schon über 200 Normseiten eines neuen, No-Pflock-unabhängigen Projekts auf der Festplatte hätte, obwohl andere Deadlines drängen, tututu), bin ich meiner Agentin sehr dankbar für ihre Denkanstöße. So wird es voraussichtlich von mir in 2018 einen Katzenroman geben, einen Regionalkrimi und eine längere Liebesgeschichte in einer Anthologie. Auf der Liste der zu vermittelnden Romane stehen, fertig geplant, ein weiterer Krimi, eine Romanze (Tatsache!), eine Scifi-Trilogie, ein historischer Roman und eine Jugendfantasy. Natürlich fühle ich mich nicht in allen Genres gleich sicher. Natürlich mache ich mir Sorgen, ob ich den Fans des jeweiligen Genres etwas originelles bieten kann, das zugleich ihre Erwartungen erfüllt. Aber wenn die Welt schon groß und vielseitig ist, ist das Universum der Fantasie eine unendliche Spielwiese. Und ich freue mich, darauf herumzutollen.

Frohe Weihnachten und ein spannendes, kreatives und vielleicht sogar etwas friedlicheres (man hofft immer) neues Jahr!

Und wen es interessiert: Hier der bisherige Soundtrack zu meinem Katzen-Projekt

- Wer kennt das noch? https://www.youtube.com/watch?v=H1QEHE5fl3U
- https://www.youtube.com/watch?v=jBupII3LH_Q
- ein Klassiker der Programmmusik: https://www.youtube.com/watch?v=qjracXGTtDU
- Ein bisschen Cats: https://www.youtube.com/watch?v=vcSQl5zXlxw und, passend zum eigenwilligen Charakter: https://www.youtube.com/watch?v=ywFbpDjpZno
- Das Lied habe ich erst kennengelernt, nachdem ich mich bereits für den Buchtitel entschieden hatte: https://www.youtube.com/watch?v=bFhYJEOI0L4
- Natürlich liest bein Protagonist nicht, aber die mentale Verfassung passt: https://www.youtube.com/watch?v=JKlSVNxLB-A
- Trigger-Warning: Es ist Let it go (für manche Eltern so schlimm wie Last Christmas, mittlerweile), aber in einer Metal-Variante. https://www.youtube.com/watch?v=so49WpSj9bo
- Und weil ich nicht ganz ohne düstere Hintergrundthemen auskomme: https://www.youtube.com/watch?v=fHIiWQLhfp4 Aber keine Angst, nicht umsonst habe ich dieses optimistische Todeslied gewählt.



Montag, 16. Oktober 2017

AfD, Tumulte auf der #fbm2017, Absage an Leipzig - ein paar Gedanken

Nein, ich habe  nach der Bundestagswahl nicht so lange geschwiegen, weil ich schockiert war, sondern schlicht, weil ich zu sehr von der Arbeit im Schraubstock gehalten wurde. Ja, es sitzen, um es mit dem SPD-Kandidaten TSG zu sagen, erstmals seit 1945 wieder Rechtsextreme im Bundestag (zumindest offiziell). Die AfD ist die drittstärkste Kraft und hat in manchen Wahlkreisen noch viel höhere Prozentpunkte erreicht. Aber so zynisch das klingt: Ich hatte im Vorfeld Angst, dass es noch schlimmer kommt.

Diese 12,6 Prozent sind in etwa die Zahl, die ich schon seit Jahrzehnten (ich bin alt genug, um den Begriff zu gebrauchen) höre als der Anteil latent rechtsradikalem Gedankenguts, der sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht. Wohlgemerkt, durch ALLE. "In der Mitte der Gesellschaft angekommen" schrieb da die taz schon 2010, und wer mal richtig tief einsteigen will, findet von der Uni Göttingen eine interessante Analyse von 2015 speziell zur Rassentheorie, die wir als Deutsche doch überwunden haben wollten oder sollten.

Sehr gut kann ich deshalb den Tweet verstehen, der die Runde gemacht hat: "Heute ist der letzte Tag, an dem man als Deutscher sagen kann: "Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt." Aber ich bin nicht überrascht und ich bin nicht die einzige damit. Die Theorie mit der "Mitte der Gesellschaft" wird auch gestützt durch die Reaktionen von Zeit-Online-Lesern, denen man gemeinhin nicht unterstellt, zu den durchschnittlichen Internettrollen zu gehören, und die nach der Wahl aufgefordert wurden, ihre Wahl für die AfD zu erklären. Viele können das auf sprachlich und argumentativ hohem Niveau, aber trotzdem zeigen die Antworten, dass es eher eine Wahl dessen war, was man NICHT wollte: Wenn die AfD als einzige die diffusen Ängste vor der Migrantenflut bedient, blendet selbst der intelligenteste Mensch alles andere aus, wie es scheint. "Wovor habt ihr eigentlich Angst?", hat der Tagesspiegel schon im vergangenen Jahr gefragt und vorgerechnet, wie gut es Deutschland immer noch geht.

Dabei spricht er aber auch "ihr da in Dresden" direkt an. Ja, Sachsen ist schnell als Prügelkind identifiziert worden. In der Autoren-Community hat das "Bundesamt für magische Wesen" prompt für einen Aufreger gesorgt mit der Ankündigung, sich wegen der Wahlergebnisse nicht mehr im Osten wohlzufühlen und aufgrund von Anfeindungen aus der Vergangenheit nicht zur Leipziger Buchmesse 2018 zu kommen. Ganz davon abgesehen, dass das BAfmW bereits 2016 aus ganz anderen Gründen nicht dabei war, haben sie schnell verständnislose Reaktionen geerntet, von "Wie kann man ein ganzes Bundesland pauschal verurteilen?" über "Es kommen ja nicht nur Sachsen zur Buchmesse" bis hin zu "Jetzt erst recht!".

Auf der Frankfurter Buchmesse hat der Versuch, die "Meinungsvielfalt" zu wahren, indem man einen Verlag als Freund rechten Gedankenguts unmittelbar mit "Linken" flankiert, zu friedlichen Protesten und später Tumulten geführt. Auch wenn ein Teil von mir versucht, die Organisatoren zu verstehen, gehört mein Herz der Aussage, die eine Freundin von mir twitterte: "Hass ist keine Meinung." Sehr gut analysiert hat das in meinen Augen der Blog von "Fisch und Fleisch": "Der Ausrichter ist eine private Organisation. Es besteht für ihn keinerlei Verpflichtung, das gesamte Spektrum an politischen Haltungen abzudecken. Es besteht auch keine Veranlassung, auf einer internationalen Veranstaltung eine Diskussion zuzulassen, die sich Begriffen wie 'Migrantengewürm' bedient. Einen bekannten Neonazi zu hofieren, während ein verletzter Gegendemonstrant des Hauses verwiesen wird und Messeverbot erhält – all das bleibt in höchstem Maße erklärungswürdig."

Diese Ereignisse zeigen aber wieder: Das war Frankfurt, nicht Leipzig. Die Wählerstimmen aus dem Osten hätten allein nicht ausgereicht, die AfD so stark zu machen.

Das BAfmW spricht von einer ganz persönlichen Erfahrung und einem ganz persönlichen Gefühl in Bezug auf die LBM-Absage. Also teile ich meine ganz persönliche Erfahrung: Ich bin im ländlichen Hessen aufgewachsen (im Villmarer Ortsteil Seelbach wählten übrigens 18,1 % AfD), habe in Bayern studiert, in Stuttgart und Hamburg gearbeitet, ein Praktikum bei einer deutschsprachigen Zeitung in Kanada gemacht (Zielgruppe u.a. Heimatvertriebene) und dann im Osten Brandenburgs ein Zuhause gefunden. Einen großen Schock hatte ich als Jugendliche, als mich ein Kumpel zum Abendessen nach Hause einlud und zum normalen Tischgespräch gehörte, über "die Russen" vom Aussiedlerhof herzuziehen. Ich habe in allen Teilen Deutschlands die gleichen Diskussionen über Vorurteile und Fremdenhass geführt, in Kanada fast mein Praktikum geschmissen über einen mehr als unsensiblen Artikel über den Holocaust, den der Chef auch unbedingt als "Meinungsvielfalt" drin haben wollte. Ja, ich höre hier in Schwedt Sprüche, sogar von engen Bekannten, die nachts angeblich nicht mehr heimlaufen wollen, seit die Flüchtlinge hier wohnen, und ich wurde auch schon richtig laut und wütend, weil ich manchmal einfach nicht an mich halten kann bei zu viel Ignoranz und mangelndem Mitgefühl. Aber das passiert mir nicht öfter und nicht seltener als überall sonst.

Der Osten allgemein und Sachsen speziell haben nicht den Rechtsradikalismus für sich gepachtet. Man muss ihm in ganz Deutschland entgegentreten. Und ich freue mich auf die Buchmesse nächstes Jahr.


Freitag, 15. September 2017

Phantastika 2017: Fledermäuse im Labyrinth

Und bitte nochmal einen Klick weiter für meinen persönlichen Rückblick auf die erste Phantastika in Oberhausen: http://www.literra.info/kolumnen/kolumne.php?id=1554